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Insgesamt werden heute etwa 220 verschiedene Kopfschmerzarten unterschieden. Deshalb können Kopfschmerzen zum diagnostischen Problem für den behandelnden Arzt werden, denn nur wenige andere Beschwerden sind auf so viele unterschiedliche Ursachen zurückzuführen.

Die zwei Hauptformen von Kopfschmerzen

Der primäre Kopfschmerz - er geht von den Gefäßen und Nerven des Gehirns aus - macht über 92 Prozent aller Kopfschmerzformen aus. Die häufigsten Formen sind der Spannungskopfschmerz und die Migräne. Der sekundäre Kopfschmerz ist dagegen Symptom einer anderen zugrundliegenden Erkrankung (z. B. Bluthochdruck, Augenerkrankung, grippaler Infekt, Gehirnerschütterung etc.). In diesen Fällen treten die Kopfschmerzen aufgrund dieser Grunderkrankung auf.

Spannungskopfschmerzen

Beschreibung und Ursachen

Spannungskopfschmerzen

Der Spannungskopfschmerz ist mit 54 Prozent Anteil an allen Kopfschmerzleiden die häufigste Kopfschmerzform. Er lässt sich als dumpf-drückend oder ziehend charakterisieren. Fast jeder Erwachsene hat in seinem Leben schon einmal unter Spannungskopfschmerzen gelitten.

Tritt dieses Phänomen nur an etwa 1 bis 2 Tagen im Monat auf, so spricht man in Fachkreisen vom episodischen Spannungskopfschmerz. Der chronische Spannungskopfschmerz zeichnet sich dadurch aus, dass er im Schnitt alle 2 Tage auftritt oder sogar zum täglichen Begleiter geworden ist. Im Gegensatz zur Migräne und zur episodischen Verlaufsform nimmt der chronische Kopfschmerz vom Spannungstyp mit dem Lebensalter zu.

Bis heute weiß man jedoch nicht genau, wodurch die Spannungskopfschmerzen verursacht werden. Vermutlich sind an der Entstehung mehrere Faktoren beteiligt, beispielweise Stress im Beruf, zu wenig Schlaf oder auch Verspannungen im Hals- und Nackenbereich. Beobachtet wird dabei häufig eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit der Muskulatur im Kopf- und Gesichtsbereich - ein Zeichen dafür, dass die Schmerzverarbeitung im Gehirn gestört ist.

Der bei der Übertragung von Reizen beteiligte Botenstoff Serotonin scheint hierbei eine Schlüsselrolle zu spielen: Sind die Serotoninspeicher im Gehirn gut gefüllt, ist das Schmerzempfinden normal. Wird aber zu wenig Serotonin produziert oder ist der Verbrauch zu hoch, so sinkt vermutlich die Schmerzschwelle im Gehirn, die Empfindlichkeit wird gesteigert und schon der kleinste Reiz wird als Schmerz spürbar. Viele unterschiedliche Prozesse können den Serotoninhaushalt stören und einen zu hohen Serotoninverbrauch bewirken.

Im Allgemeinen können sich die geleerten Serotoninspeicher durch Ruhe und Entspannung wieder füllen. Allerdings ist dies bei chronischem Spannungskopfschmerz nicht der Fall: Der Serotoninmangel wird zum Dauerzustand.

Schmerzlokalisation und Charakteristik

Der Spannungskopfschmerz beginnt oftmals im Hinterkopf oder im Stirnbereich und breitet sich von dort über den gesamten Kopf aus. Es können eine oder beiden Seiten des Kopfes betroffen sein. Der leichte bis mäßig starke Schmerz wird als dumpf, drückend oder ziehend empfunden und kann unbehandelt zwischen 30 Minuten und 7 Tagen andauern.

Mögliche Auslöser für Spannungskopfschmerzen

  • Stress im Beruf oder im Privatleben
  • Angstgefühle und Depressionen
  • Ungünstige Körperhaltung beim Sitzen oder Schlafen
  • Arbeiten bei schlechtem Licht
  • Fehlstellung der Kiefergelenke
  • Schlafmangel
  • Hoher Alkohol- und Nikotinkonsum

Migräne

Beschreibung und Ursachen

Migräne

Als Migräne wird ein in bestimmten Zeitabständen regelmäßig wiederkehrender starker Kopfschmerz, der meist als pochend oder stechend empfunden wird, bezeichnet.

Migräne ist eine häufige Erkrankung; nach Schätzungen sind in Deutschland ca. 32 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer betroffen, wobei die Migräne im zunehmenden Alter in beiden Gruppen weniger häufig auftritt. Die komplexe neurologische Erkrankung wurde in den vergangenen Jahren "jünger": immer mehr Kinder leiden schon unter Migräne.

Die Ursachen für das quälende Gewitter im Kopf sind noch nicht vollständig erforscht - genetische Veranlagung und Umwelt können gleichermaßen Einfluss haben.
Das "Migränegehirn" besitzt einen höheren Grad an Aufmerksamkeit, bestimmte Reize aufzunehmen. In vielen Situationen können Migräneveranlagte daher aber auch besondere Leistungen erzielen.

Schmerzlokalisation und Charakteristik

Bei etwa zehn Prozent der von Migräne Betroffenen gehen den Schmerzattacken ein Flimmern oder helle Lichtblitze vor den Augen bis hin zu Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen und Schwindel voraus, die so genannte Aura. Diese Aura kann bis zu 60 Minuten anhalten.

Der anfallsartig auftretende Schmerz lässt sich als pochend, pulsierend oder hämmernd beschreiben. Oft beginnt der Schmerz im Nacken und konzentriert sich dann meist auf eine Seite des Kopfes, kann aber durchaus auch die Seite wechseln.

Unbehandelt kann der Schmerz zwischen 4 und 72 Stunden andauern. Er ist von mittlerer bis hoher Intensität und nimmt bei körperlicher Aktivität zu, so dass arbeiten oder ein geregelter Tagesablauf nicht mehr möglich sind. Schon bei kleinsten Anstrengungen, wie sich bücken oder Treppen steigen, scheint der Kopf zu explodieren. Häufig wird die Migräne von Übelkeit und heftigem Erbrechen begleitet. Viele Patienten reagieren empfindlich auf Lärm, Licht und Gerüche.

Mögliche Auslöser für Migräneattacken (Triggerfaktoren)

Es gibt eine Vielzahl von Reizen - so genannte Triggerfaktoren -, die eine Migräne auslösen können. Welche Faktoren in welcher Kombination dafür in Frage kommen, ist individuell verschieden. Anders gesagt: Was bei einer Person keine Auswirkungen hat, kann bei einer anderen zu einer schweren Migräneattacke führen.

  • Stress (Hektik, Zeit- und Leistungsdruck, Mobbing, Angst, Streit)
  • Änderung des Schlaf-Wach-Rhythmus (zu viel oder zu wenig Schlaf)
  • Alkoholika oder bestimmte Nahrungsmittel (Rotwein, Bier, Kaffee, Käse, Schokolade, Nüsse, Weizen, Schweinefleisch, Zitrusfrüchte, Tomaten, asiatisches Essen: "China-Syndrom")  
  • Wetter (Föhn, extreme Wetterlagen, Schwüle)
  • Veränderungen im Hormonhaushalt (Eisprung, Menstruation, Antibabypille)
  • Urlaubsbeginn oder Wochenendbeginn (Stress fällt plötzlich ab)
  • Reisen und Jetlag
  • Verqualmte oder überheizte Räume
  • Unregelmäßige Mahlzeiten oder eine Diät
  • Helles oder flackerndes Licht
  • Lärm und starke Gerüche

Wichtig: Versuchen Sie, Ihre persönlichen Auslöser zu erkennen, um diese dann gezielt vermeiden zu können. Hierzu hilft Ihnen das Führen eines Kopfschmerz-Tagebuchs.

Weitere Kopfschmerzarten

Cluster-Kopfschmerzen - Beschreibung und Ursachen

Cluster-Kopfschmerzen

Als Cluster-Kopfschmerz werden schwerste Schmerzattacken bezeichnet, die periodisch gehäuft auftreten (cluster, engl. = Anhäufung). Der Cluster-Kopfschmerz tritt überwiegend bei Männern auf (Verhältnis Männer / Frauen = 4:1).

Cluster-Kopfschmerzen - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Streng halbseitige Schmerzen im Augen-, Stirn- und/oder Schläfenbereich, stark bis unerträglich, stechend, bohrend.

Häufigkeit und Dauer
1-3 Episoden/Jahr, über 2-6 Wochen, von 1 Attacke jeden zweiten Tag bis zu 8 Attacken pro Tag, Attackendauer von 30 bis 90 Minuten
Zeitpunkt
häufig gleiche Uhrzeit, meist nachts
Auslöser
Alkohol, Nikotin, blendendes Licht
Begleitsymptome
Rötung des Auges, hängendes Lid, Pupillenverengung, Tränenfluss, Gesichtsschwitzen- und röte, Verstopfung des Nasenlochs oder vermehrtes Nasenlaufen in der betroffenen Gesichtshälfte
Behandlung
Inhalation von 100prozentigem Sauerstoff
(7 Liter pro Minute), Xylocain (lokal intranasal), Dihydroergotamin (subkutan, d. h. unter die Haut), Sumatriptan (subkutan), Zolmitriptan Nasenspray

 

Kopfschmerzen durch Medikamente - Beschreibung und Ursachen

Kopfschmerzen durch Medikamente

Kopfschmerzen können auch durch bestimmte Medikamente, z. B. Nitrate, Calciumantagonisten, Diuretika, orale Kontrazeptiva ("Pille") hervorgerufen werden. Auch eine sehr häufige bzw. chronische Einnahme von Kopfschmerzmitteln kann zu einem Dauerkopfschmerz führe

Kopfschmerzen durch Medikamente - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Schmerzen meist im gesamten Kopfbereich, dumpf-drückender oder pulsierend-stechender Charakter, Frauen sind stärker als Männer betroffen.

Häufigkeit und Dauer

ganztags

Zeitpunkt
schon morgens einsetzend
Auslöser
Nifedipin, Nitroglycerin, Cimetidin, dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetika)
Begleitsymptome
Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Schwindel, Konzentrations- und Schlafstörungen, Müdigkeit, graue Gesichtsfarbe, Nierenerkrankungen, Blutarmut
Behandlung
verursachende Medikamente, wenn möglich absetzen,
stationäre Entziehungskur

 

Arteriitis temporalis - Beschreibung und Ursachen

Arteriitis temporalis

Die Arteriitis temporalis, eine Entzündung der Schläfenarterien, ist eine typische Erkrankung von älteren Menschen. Meistens tritt sie jenseits des 50. Lebensjahres zum ersten Mal auf, Frauen sind stärker betroffen. Ein frühes Anzeichen sind bei einigen Patienten Schmerzen beim Kauen oder Sprechen. Die Ursachen der Erkrankung sind bis heute ungeklärt, vermutet wird eine Auto-Immun-Erkrankung (d. h. der Körper setzt sein Immunsystem gegen eigene Organe / Strukturen in Gang und bekämpft sich damit selbst als "Fremdkörper").

Arteriitis temporalis - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Heftige Kopf- und Gesichtsschmerzen, oftmals dumpf, drückend, aber auch pochend möglich, meist zu Beginn einseitig, später beidseitig im Schläfen- und Stirnbereich, anfangs noch zwischenzeitlich nachlassend, später andauernde Schmerzen.

Häufigkeit und Dauer
Wochen bis Monate
Zeitpunkt
tagsüber, nachts
Auslöser
unbekannt
Begleitsymptome
Sehstörungen, Überempfindlichkeit der Kopfhaut, Schmerzen beim Kauen und Sprechen, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Fieber, Gelenkschmerzen
Behandlung
Cortisontherapie (Prednison)

 

Trigeminusneuralgie - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Trigeminusneuralgie

Schmerzen, die sich bestimmten Nerven zuordnen lassen, werden als Neuralgie bezeichnet. Bei der Trigeminusneuralgie ist der Gesichtsnerv (Nervus trigeminus) betroffen. Bei der idiopathischen Trigeminusneuralgie kann keine Ursache für die Neuralgie gefunden werden. Die symptomatische Trigeminusneuralgie tritt bei Erkrankungen des Auges (z. B. Grüner Star), der Zähne, der Ohren, bei Nasennebenhöhlenentzündungen, Gehirntumoren usw. auf

Trigeminusneuralgie - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Oftmals einseitig im Gesicht blitzartig einschießende, heftig stechende, brennende Schmerzen ("stromstoßartige Schmerzen"). Die Trigeminusneuralgie tritt bei Frauen etwas häufiger auf. Das Erkrankungsalter liegt meist bei über 40 Jahren.

Häufigkeit und Dauer
episodisches Auftreten mit Perioden ohne Beschwerden, spontaner Schmerz, wenige Sekunden bis zu 2 Minuten andauernd
Zeitpunkt
tagsüber
Auslöser
Kauen, Schlucken, Berührung, Zähne putzen, Rasieren, Rauchen
Begleitsymptome
Sprechunfähigkeit, Gewichtsverlust
Behandlung
Antiepileptika (Mittel gegen Krampfanfälle),
z. B. Carbamazepin, Phenytoin, Oxcarbazepin, Gabapentin, in Einzelfällen neuro-chirurgische Maßnahmen

 

Atypische Gesichtsneuralgie - Beschreibung und Ursachen

Atypische Gesichtsneuralgie

Schmerzen, die sich bestimmten Nerven zuordnen lassen, werden als Neuralgie bezeichnet. Bei der Gesichtsneuralgie können verschiedene Kopfnerven betroffen sein (siehe auch Trigeminusneuralgie). Zum Beispiel Schmerzen im Bereich des Zungengrunds, in der Mandelgegend und der Ohrregion. Bei der atypischen Gesichtsneuralgie lässt sich der Schmerz keinen bestimmten Nerven zuordnen.

Atypische Gesichtsneuralgie - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Anfänglich oft einseitig im Wangenbereich auftretende Schmerzen, die im späteren Verlauf auch die Seite wechseln oder beidseitig auftreten können, dumpf-drückend, manchmal auch brennend, schlecht lokalisierbar, von mittlerer Intensität, vorwiegend im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, Frauen sind deutlich häufiger betroffen.

Häufigkeit und Dauer
meist dauerhaft, Schmerzen können sich aber auch anfallsartig verstärken
Zeitpunkt
ganztags
Auslöser
unbekannt
Begleitsymptome
Angst, Niedergeschlagenheit, Depression, Schlafstörungen
Behandlung
Paracetamol, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Antidepressiva

 

Grippekopfschmerz - Beschreibung und Ursachen

Grippekopfschmerz

Kopfschmerzen als Begleiterscheinung einer Erkältung oder eines grippalen Infekts.

Grippekopfschmerz - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Meist Schmerzen im gesamten Kopfbereich, drückend, pochend, leicht bis mäßig stark

Häufigkeit und Dauer
während der Erkrankung
Zeitpunkt
tagsüber, nachts
Auslöser
Erkältung, grippaler Infekt
Begleitsymptome
Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, Husten
Behandlung
Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS)*

*Hinweis: ASS sollte bei Kindern und Jugendlichen mit fieberhaften Erkrankungen wegen des möglichen Auftretens eines Reye-Syndroms nur auf ärztliche Anweisung und nur dann angewendet werden, wenn andere Maßnahmen nicht wirken.

 

Alkohol- und Nikotinkopfschmerz - Beschreibung und Ursachen

Alkohol- und Nikotinkopfschmerz

Kopfschmerzen nach übermäßigem Alkohol- oder Nikotingenus

Alkohol- und Nikotinkopfschmerz - Schmerzlokalisation und Charakteristik

Meist Schmerzen im gesamten Kopfbereich, dumpf-drückend oder auch pochend, an- und abschwellend, verstärken sich bei körperlicher Anstrengung.

Häufigkeit und Dauer
am Tag nach übermäßigem Alkohol- oder Nikotinkonsum,
mehrere Stunden anhaltend
Zeitpunkt
morgens nach dem Aufstehen
Auslöser
nach intensivem Alkohol- oder Zigarettengenuss,
bei empfindlichen Personen auch schon nach mäßigem Rotweingenuss
Begleitsymptome
Übelkeit, Schweißausbruch
Behandlung
Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol