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Um sich richtig zu verhalten und die Kopfschmerzen zu behandeln, sollte man so viel wie möglich über sie zu wissen. Einen ersten Anhaltspunkt, ob bzw. welcher der beiden häufigsten Kopfschmerztypen  - Spannungskopfschmerz und Migräne - auf Sie zutrifft, kann Ihnen unser Kopfschmerzfragebogen geben.

Bei Kopfschmerzen stehen vielfältige Methoden zur Schmerzbekämpfung und -vorbeugung zur Verfügung. Neben Schmerzmitteln können auch nicht-medikamentöse Behandlungsformen das Auftreten von Schmerzattacken verringern.

Es gibt außerdem eine ganze Reihe von Entspannungsmethoden und Hausmitteln, die von den einen befürwortet, von anderen abgelehnt werden, weil sie nicht wissenschaftlich geprüft sind. Welche Methoden und Mittel Ihnen gut tun, finden Sie am besten selbst heraus, denn: was Ihnen hilft, kann bei jemand anderem seine Wirkung verfehlen.

Daneben gibt es allgemeine Verhaltensregeln, die zur Vorbeugung von Kopfschmerzen eingehalten werden sollten.

Für den Fall, dass Ihre Kopfschmerzen regelmäßig wiederkehren oder über längere Zeit unverändert stark andauern, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären und ggf. eine geeignete Behandlung zu beginnen.

Medikamentöse Behandlung

Zur Selbstmedikation bei gelegentlichen leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen werden vor allem rezeptfreie Medikamente aus der Apotheke verwendet. 

In erster Linie werden zur Selbstmedikation drei Substanzen empfohlen: Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS). Alle genannten Wirkstoffe hemmen die Bildung von bestimmten Gewebshormonen, den Prostaglandinen, im Körper. Die Prostaglandine sind an der Entstehung von Schmerzen, Fieber und Entzündungen beteiligt. Sie aktivieren das Wärmezentrum im Gehirn und sensibilisieren die Schmerzrezeptoren.

  • Paracetamol wirkt schmerzstillend und fiebersenkend, kaum entzündungshemmend.
  • Ibuprofen wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend und fiebersenkend.
  • Acetylsalicylsäure (ASS) wird zur Schmerz- und Fieberbekämpfung und in hohen Dosen auch bei rheumatischen Entzündungen eingesetzt.
  • Coffein verstärkt die Wirkung von Paracetamol und ASS. Es verengt die Hirngefäße und hilft auf diese Weise gegen Kopfschmerzen.

Bei Migräneanfällen mit Übelkeit und Erbrechen sollte vor der Anwendung eines Schmerzmittels (Analgetikums) zunächst die Einnahme eines Antiemetikum (Mittel gegen Übelkeit) mit dem Wirkstoff Metoclopramid oder Domperidon erfolgen. Hiermit können gezielt die Symptome Übelkeit und Erbrechen reduziert werden und die Magen- und Darmaktivität normalisiert sich wieder. Das Antiemetikum kann die Aufnahme des Schmerzmittels beschleunigen. 

Bei schweren Migräneattacken, bei denen ein rezeptfreies Analgetikum zu keiner Besserung der Beschwerden führt, sollten Präparate eingesetzt werden, die vom Arzt verschrieben werden. Mittlerweile steht eine Vielzahl an Triptanen zur Verfügung - hierbei handelt es sich um Substanzen, die direkt an den entzündeten Blutgefäßen des Gehirns wirken, wo der Schmerz entsteht. Zu den Triptanen gehören Sumatriptan, Zolmitriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Almotriptan, Elitriptan und Frovatriptan, die teilweise als Tablette, Fertigspritze, Nasenspray oder Zäpfchen angewendet werden können. 

Bei regelmäßig wiederkehrenden, auffällig starken oder chronischen Schmerzen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursachen abzuklären und ggf. die Behandlung nach einem individuell erarbeiteten Plan zu beginnen. In der Regel behandelt der Hausarzt die Kopfschmerzen. Bei komplizierteren Fällen sollte jedoch ein Facharzt für Nervenkrankheiten (Neurologe) oder ein Schmerztherapeut hinzugezogen werden. 

Grundsätzlich sollten weder apothekenpflichtige noch verschreibungspflichtige Schmerzmittel wahllos eingenommen werden, bitte fragen Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihren Apotheker nach Nebenwirkungen, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und weiteren Risiken.

Allgemeine Verhaltensregeln

  1. Vermeiden Sie die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, es sei denn, Ihr Arzt hat es ausdrücklich verordnet. Kopfschmerzmittel sollten nicht länger als 3 Tage hintereinander oder an mehr als 10 Tagen im Monat eingenommen werden.

  2. Halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein und genießen Sie Fett, Süßigkeiten, Alkohol und Nikotin, falls überhaupt, nur in Maßen. Einige Patienten reagieren mit Kopfschmerzen auf bestimmte Nahrungsmittel und Getränke, auf die dann zukünftig gänzlich verzichtet werden sollte. Andere neigen bei Unterzuckerung zu Kopfschmerzen. Hier hilft eine kleine Mahlzeit zwischendurch, die den Blutzuckerspiegel wieder anhebt.

  3. Als Kopfschmerzpatient sollten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus achten - auch am Wochenende.

  4. Achten Sie auf eine gerade Haltung und beugen Sie damit einer verspannten Schulter- und Nackenmuskulatur vor, die Auslöser für Ihre Kopfschmerzen sein kann. Falls Sie schon morgens verspannt aufwachen - gönnen Sie sich eine hochwertige Matratze und bemühen Sie sich um eine entspannte Schlafposition.

  5. Zum Abbau von seelischen und körperlichen Spannungen sollten Sie sich möglichst regelmäßig an der frischen Luft bewegen - Radfahren, Joggen, Nordic Walking, Schwimmen, Inlineskaten - am besten 3-mal pro Woche etwa 30 Minuten lang. Aber bitte nicht übertreiben - Sie sollten sich immer noch problemlos während des Sports unterhalten können.

  6. Gönnen Sie sich Ruhe, lassen Sie sich nicht ständig "unter Druck" setzen und lernen Sie, auch einmal "nein" zu sagen. Denken Sie daran: Morgen ist auch noch ein Tag.

  7. Bei Frauen kann die Antibabypille Kopfschmerzen verstärken oder sogar auslösen. Reden Sie mit Ihrem Frauenarzt darüber, falls Sie diesen Verdacht haben. Er kann Ihnen evtl. ein anderes Präparat verordnen.

  8. Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch und notieren Sie, wann die Schmerzen beginnen, wo sie zu spüren sind, welchen Charakter (klopfend, stechend usw.) sie haben und wie stark sie sind. Schreiben Sie alles auf, was Ihnen im Zusammenhang mit dem Auftreten Ihren Kopfschmerzen als wichtig erscheint. So können Sie herausfinden, welche Schmerzauslöser in Frage kommen könnten, wie beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel, ein Wetterumschwung oder Stress im Büro. Der oder die Auslöser sollte/n dann möglichst vermieden werden.

Entspannungsmethoden

Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson

Unter den Entspannungstechniken hat sich die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bewährt. Sie kann die Zahl der Migräneattacken um bis zu 50 Prozent, die des Spannungs-kopfschmerzes um bis zu 45 Prozent verringern. 

Die Übungen sollten von einem erfahrenen Therapeuten erlernt werden. Kurse bieten z. B. Volkshochschulen an. Anschließend können Sie die Muskelentspannung dann zu Hause selbständig weiterführen. Sollen diese Entspannungsmethode auf Dauer erfolgreich sein, müssen Sie sie regelmäßig ausüben.

Biofeedback (biologische Rückmeldung)

Mit dieser Technik lernen Patienten, körperliche Funktionen wie Blutdruck, Herzschlag, Muskelspannung, Körpertemperatur usw. besser zu kontrollieren und ihre Schmerzen positiv zu beeinflussen. Beispielsweise werden bei Patienten mit Migräne die erweiterten Blutgefäße über Elektroden auf einem Computerbildschirm als breiter Balken sichtbar gemacht. Nur mit Hilfe des eigenen Willens können der Balken und somit die Gefäße verengt werden. Bei Spannungskopfschmerzen kontrollieren die Patienten über den Bildschirm, ob ihre Übungen zur gewünschten Lockerung der Kopf- und Nackenmuskulatur geführt haben. Das Biofeedback hat ähnliche Erfolgsraten wie die Progressive Muskelentspannung, eine Kombination beider Methoden kann die Häufigkeit von Migräne und Spannungskopfschmerz um bis zu 60 Prozent senken.

Verhaltenstherapie

Einige Psychologen arbeiten bei Migräne und Spannungskopfschmerzen mit verhaltenstherapeutischen Behandlungsmethoden. Denn psychologische Faktoren sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung und bei der Chronifizierung von Kopfschmerzen. Wichtige psychologische Ursachen sind überhöhte Anforderungen an sich selbst, ungünstige Strategien zur Stressverarbeitung, Angst vor Versagen und auch vor Schmerz. Zur Verhaltenstherapie gehören u. a. Strategien zur Stressbewältigung.

Massage

Legen Sie bei Kopfschmerzen die Spitzen von Zeige- und Mittelfinger an die Schläfen. Nun werden die Schläfen mit kreisenden Bewegungen massiert. Dabei wird leichter Druck ausgeübt. Es sollte mindestens fünf Minuten lang massiert werden. Anschließend umfassen Sie Ihren Kopf so, dass Zeige- und Mittelfinger bis zur Stirn reichen und die Daumen am Hinterkopf ansetzen. Massieren Sie mit Daumen und den Fingern die Stirn und den Hinterkopf.

Kneipptherapie

Die Wassertherapie nach Sebastian Kneipp kann bei Kopfschmerzen helfen wie z. B. kalte Unterarmtauchbäder (20 bis 30 Sekunden), Fußbäder mit ansteigender Wassertemperatur oder heiße Nackengüsse - den Duschkopf auf den Nacken halten und die Wassertemperatur langsam erhöhen (Vorsicht vor zu heißem Wasser). Weitere Auskünfte geben die örtlichen Kneippverbände oder speziell ausgebildete Kneippärzte.

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS)

Über Elektroden, die auf die Haut gesetzt werden, sendet ein batteriebetriebenes Gerät elektrische Impulse zur schmerzenden Körperstelle. TENS eignet sich auch zur Eigenbehandlung von Spannungskopfschmerzen.

Fußreflexzonenmassage

Bei dieser Methode sollen die Füße, ähnlich einer Landkarte, alle Körperregionen und Organe repräsentieren. Der Masseur sucht besonders schmerzhafte Stellen an Füßen und Fußsohlen auf. Dann drückt und reibt er diese Stellen fest mit Fingerkuppen und -nägeln. Die Behandlung dauert etwa 45 Minuten und kann auch bei Kopfschmerzen hilfreich sein.

Bewährte Hausmittel

Ruhe und Entspannung

Spannungskopfschmerzen können manchmal schon mit einem Spaziergang an der frischen Luft gelindert werden. Bei einem aufkommenden Migräneanfall sollten möglichst viele Reize abgeschirmt werden - am besten tut oftmals absolute Ruhe in einem abgedunkelten, gut gelüfteten Raum.

Das Essen nicht vergessen

Manchmal kann auch Unterzuckerung des Körpers zu Kopfschmerzen führen. Dann heißt es, einfach schnell eine Kleinigkeit, z. B. eine Banane oder auch ein Stück Schokolade, zu essen. Wichtig ist es auf jeden Fall, sich regelmäßig und ausgewogen zu ernähren, um Kopfschmerzen vorzubeugen.

Aufgepasst bei Heißhunger: dies kann bei Menschen mit Migräne ein sehr früher Vorbote eines Anfalls sein. Um das herauszufinden, hilft das Führen und Auswerten eines Kopfschmerztagebuchs.

Manche mögen's heiß oder kalt

Bei Kopfschmerzen können manchmal bereits kalte Arm- und Fußbäder helfen. Auch der gute alte Eisbeutel oder kalte Umschläge um Nacken und Stirn können Linderung verschaffen. Angenehm kann aber ebenso ein warmes Bad (mit entspannenden Zusätzen) oder eine heiße Kompresse im Nacken sein. Manche Patienten schwören auch auf ein Fußbad mit ansteigender Wassertemperatur.

Auch Pfefferminzöl zeigt Wirkung

Pfefferminzöl (10%ig, in der Apotheke erhältlich) auf Stirn und Schläfen aufgebracht, kann bei Spannungskopfschmerzen allein oder zusätzlich zu Medikamenten zur Schmerzlinderung beitragen. Die Einreibung sollte 2-3-mal im Abstand von jeweils 15 Minuten erfolgen - das ätherische Öl wirkt wohltuend, zugleich kühlt und belebt es.

Wann unbedingt zum Arzt?

Wenn in Verbindung mit Kopfschmerzen eine oder mehrere der folgenden Beschwerden und Symptome auftreten, suchen Sie bitte einen Arzt auf.

  • Schwindel
  • Sehstörungen, z. B. Doppelt-Sehen
  • Sprachausfälle
  • Nüchtern-Erbrechen
  • Lähmungen
  • Bewusstseinseintrübungen
  • Krampfanfälle
  • Nackensteifigkeit, Lichtscheu
  • Schüttelfrost, hohes Fieber
  • Erstmaliges Auftreten von Kopfschmerzen im Alter von 40+
  • Kopfschmerzen nehmen trotz Behandlung an Häufigkeit, Stärke und Dauer zu
  • Es werden immer mehr Medikamente benötigt, um die Kopfschmerzen zu lindern