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Im Altertum glaubte man, dass wir sehen, indem ein "Sehstrahl" aus unseren Augen abstrahlt, der die Welt abtastet. Aus den Reflexen dieses Sehstrahls entstünde dann unser Bild von der Welt. Ähnlich wie bei einer Fledermaus, die im Dunkeln die Umgebung mit Infrarotwellen abtastet und tatsächlich das Echo hören und deuten kann.
Im Mittelalter entdeckte man dann den tatsächlichen Aufbau des Auges. Wie eine Kamera bildet es das Bild der Welt auf der Netzhaut ab. Licht fällt von außen ins Auge.
Doch Sehen ist nicht Fotografieren, und mit dem Abbild auf der Netzhaut allein haben wir noch nichts gesehen. Die Wahrnehmung entsteht im Kopf, wo das Bild des Auges zusammengesetzt und verglichen wird. Jeder Blick ist immer Erinnerung an etwas, das wir schon einmal gesehen haben. Am Anfang unseres Lebens müssen wir erst lernen, zusammenhängende Formen zu erkennen, Bewegung zu deuten und räumliche Tiefe zu verstehen.
Wenn wir ein Bild ansehen, das wir nicht deuten können, dann sehen wir nicht wirklich. Sofort versucht unsere Wahrnehmung, irgendetwas Sinnvolles in diesem Muster aus Hell, Dunkel und Farben zu erkennen. In Sekundenbruchteilen werden viele mögliche Figuren, Menschen, Tiere oder andere bekannte Dinge gesucht, geprüft und schnell wieder verworfen. In wenigen Sekunden werden Netzwerke von Nervenzellen im Gehirn geschaltet und miteinander gekoppelt. Wir lernen, was dieses Bild bedeutet. Die neu geschalteten Netzwerke halten unter Umständen sogar ein Leben lang.
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