Wie wir sehen - Sehschärfe und Sehwinkel

1 Gesichtsfeld
2 Bewegungssehschärfe
3 Sehschärfe
4 Akkommodation und Dioptrien

Wie weit und wie schnell können wir eigentlich sehen? In welchen Bereichen scharf und in welchen farbig? Das ist von drei Parametern abhängig: Dem Gesichtsfeld, der Sehschärfe und der Bewegungssehschärfe.

 

Gesichtsfeld
 

Das gesamte Gesichtsfeld des Menschen, also der Teil unserer Umgebung, den wir ohne Kopfbewegungen wahrnehmen können, reicht in der Regel etwas über 180° hinaus. Damit können wir gut in die Ferne sehen und räumliche Abstände einschätzen.

 

Bewegungssehschärfe
 

Andauernd nehmen unsere Augen Informationen über die Welt um uns herum auf. Doch die Lichtempfänger benötigen einen bestimmten Zeitraum, um zu reagieren und um wieder zum Ausgangspunkt zurück zu kehren und für den nächsten Lichtreiz bereit zu sein. Auch der Wahrnehmungsapparat verarbeitet nur eine bestimmte Anzahl von Einzelbildern pro Sekunde. Menschen können etwa 18 bis 24 Bilder pro Sekunde als einzelne Bilder sehen. Man nennt dies die Bewegungssehschärfe. Sobald es mehr werden, entsteht der Eindruck einer fließenden Bewegung wie in einem Film, der aus lauter Standbildern besteht. Diesen Umstand nutzen Kino und Fernsehen: Aufgrund schnellerer Bildfolgen - etwa 72 Bilder/Sekunde - verschmelzen die Einzelbilder ineinander und der Zuschauer nimmt einen kontinuierlichen Bewegungsablauf wahr.

 

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Sehschärfe
 

Die Bestimmung der Sehschärfe ist eine der wichtigsten Kontrollen für die Funktion des Auges. Als Sehschärfe wird die Fähigkeit des menschlichen Auges bezeichnet, bei optimaler Korrektur zwei nahe beieinander liegende Punkte eben noch als getrennt wahrnehmen zu können. Es geht also um das Auflösungsvermögen des Auges.

Die zentrale Sehschärfe wird medizinisch als Visus bezeichnet. Der Ort, an dem die Sehschärfe bestimmt wird, ist die Netzhautmitte, wo im Punkt des schärfsten Sehens (Fovea centralis) die Zäpfchen für die Sehschärfe zuständig sind.

Die volle Sehschärfe ist bei einem Visus von 1,0 oder 100 Prozent erreicht. Viele Jugendliche erreichen höhere Werte und damit eine bessere Sehschärfe. Mit zunehmendem Alter nimmt der Visus kontinuierlich ab. Für die meisten Tätigkeiten reicht eine Sehschärfe von 0,5 bis 0,6 aus.

Damit ein Objekt wahrgenommen werden kann, muss es entweder ausreichend groß sein oder einen genügend hohen Kontrast aufweisen. Mittels der Punktsehschärfe wird festgestellt, ob ein Objekt noch im Bereich des Wahrnehmbaren liegt oder nicht. Ein Punkt kann dann nicht mehr gesehen werden, wenn die Beleuchtungsstärke so gering ist, dass kein Rezeptor auf der Netzhaut stimuliert wird. So können beispielsweise die Sterne - obwohl immer am Himmel - tagsüber nicht gesehen werden. Der Kontrast ist dann zu gering.

Die Auflösungssehschärfe macht uns die Details eines Objektes sichtbar. Sie beruht hauptsächlich auf der Fähigkeit, den Leuchtdichtenunterschied, der Punkte oder Linien voneinander trennt, wahrzunehmen. Wenn zwei Punkte sehr weit auseinander liegen, ist der Kontrast zwischen der Abbildung auf der Netzhaut und jener des Hintergrundes ausreichend hoch, um wahrgenommen zu werden. Verkleinert sich der Abstand zwischen den Punkten, nimmt der Kontrast entsprechend ab. Schließlich ist er so klein, dass der Unterschied nicht mehr wahrgenommen werden kann, weil er die Kontrastempfindlichkeitsschwelle des Auges unterschritten hat.

Bei der Lokalisationssehschärfe kommt es darauf an, die relative räumliche Anordnung zweier Objekte zueinander anzugeben - beispielsweise zu erkennen, ob zwei Linien parallel zueinander verlaufen. Hingegen definiert die Erkennungssehschärfe, wie ein Objekt erscheinen muss, damit dessen Eigenschaften oder Formen erkannt werden. Dies geschieht mittels standardisierter Sehzeichen, wie Buchstaben, Zahlen oder Gegenständen. Wird in der Augenarztpraxis daher von Visusprüfung gesprochen, ist damit normalerweise die Erkennungssehschärfe gemeint.

 

Nur im Bereich der Sehgrube - mitten in der Netzhaut - sehen wir wirklich scharf und farbig. Wenn wir etwas wirklich genau erkennen wollen, müssen wir immer den Blick so darauf richten, dass der Gegenstand in der Mitte der Netzhaut abgebildet wird. Wenn die Dinge weiter am Rand unseres Blickfeldes liegen, sehen wir sie nur noch unscharf und auch nicht mehr farbig.

Durch ständige kleine Augenbewegungen sorgen die Augen von sich aus dafür, dass immer wieder andere Bereiche der Umgebung scharf abgebildet werden. Am Ende aber setzt das Gehirn die verschiedenen Informationen zu einem Bild zusammen, das uns einheitlich farbig und scharf erscheint.

 

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Akkommodation und Dioptrien
 

Akkommodation meint die Fähigkeit des Auges, sein optisches System auf nah und weit entfernte Gegenstände so flexibel einzustellen, dass ein scharfes Bild entsteht. Dies geschieht aufgrund der Umwandlungsfähigkeit der elastischen Linse: durch Muskelkraft getrieben, wölbt sie sich, die Brechkraft nimmt zu und Objekte in der Nähe werden scharf gesehen. Erschlafft der Muskel, kommt es zur Abflachung der Linse, die Brechkraft wird reduziert und Objekte in der Ferne werden fokussiert. Die Akkommodationsveränderungen der Linse werden in Dioptrien gemessen, wobei Variationen zwischen 15 und 27 Dioptrien auftreten.

In jungen Jahren ist die Linse elastisch und leicht verformbar - sie verfügt also über eine hohe Akkommodationsfähigkeit. Im Alter nimmt diese Fähigkeit durch Verhärtung des Linsenmaterials immer weiter ab. Das Auge verliert somit zunehmend die Fähigkeit, Gegenstände in der Nähe scharf zu sehen.

 

Alter Dioptrien
8 14 + 2
12 13 + 2
16 12 + 2
20 11 + 2
24 10 + 2
28 9 + 2
32 8 + 2
36 7 + 2
40 6 + 2
44 4,5 + 1,5
48 3,0 + 1,5
52 2,5 + 1,5
56 2,0 + 1,0
60 1,5 + 1,0
64 1,0 + 0,5
68 0,5 + 0,5

Bis zum 40. Lebensjahr verringert sich die Akkomodationsbreite alle 4 Jahre um 1 Dioptrie. Danach reduziert sich die Akkomodationsbreite alle 4 Jahre um 0,5 Dioptrien.

 

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