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Sehen ist mehr als der physiologische Vorgang. Wir verstehen es im übertragenen Sinn als Durchschauen, Verstehen oder Vorhersehen. Die ältesten überlieferten Darstellungen von Augen reichen bis weit in die alten Kulturen der Ägypter und Hethiter zurück.
Das Horusauge der ägyptischen Kunst ist ein Beispiel eines solchen Augensymbols, wie man es heute noch zum Beispiel an den Booten maltesischer Schiffer findet.
Bis heute erhalten haben sich auch die Augenmotive, die man schon in der griechischen Kultur, aber auch an den Wallfahrtsorten der christlichen Kirche findet: Das "Auge Gottes".
Ganze Geschichten können wir schreiben, indem wir uns sprachlich an den Augen ausrichten:
Wer gerne einen Blick riskiert oder anderen Menschen schöne Augen macht, kann durchaus der Liebe auf den ersten Blick begegnen. Dann kann es passieren, dass uns die Augen übergehen, wir einen Menschen mit den Augen verschlingen und wir schließlich einem geliebten Menschen jeden Wunsch von den Augen ablesen.
Erwischen wir diesen dann beim Tête-à-tête mit einer anderen Person, werden wir vermutlich unseren Augen nicht trauen und uns werden die Augen übergehen - oder wir werden noch einmal ein Auge zudrücken. Wir hätten unsere Liebe eben besser wie unseren Augapfel hüten sollen und sie nicht aus den Augen verlieren dürfen. Das sind dann leider trübe Aussichten - die wir vielleicht mit einem weinenden und einem lachenden Auge betrachten.
Diese und zahllose weitere Redewendungen spiegeln es wider: Auch die Sprache kommt ohne das Auge nicht aus. Im alltäglichen Leben zeigen Bezeichnungen wie "Sehenswürdigkeit", "Fernsehen" oder "Aufsehen" die Bandbreite des Begriffs - und die Wichtigkeit, die wir dem Sehen beimessen.
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